Das Castello di Sabbionara d’Avio

Oberhalb von Malcesine, das am Ostufer des Gardasees liegt, ragt das Massiv des mehr als 2.200 Meter hohen Monte Baldo in den meist blauen Himmel der italienischen Provinzen Trentino und Verona. Auf der Rückwand dieses Berges, also unterhalb der Ostflanke, fließt die Etsch – Adige auf Italienisch. Der Fluss ist übrigens auch der Namensgeber von Italiens nördlichster Provinz Südtirol, auf Italienisch Sudtirolo genannt – oder eben Alto Adige, was ungefähr mit Hochetsch oder Oberetsch zu übersetzen wäre. Von Malcesine aus sind es also nur wenige Kilometer Luftlinie in dieses Tal, in dem – von Norden nach Süden – auch die Städte Meran, Bozen, Salurn, Trient und Rovereto liegen. Auf ihrem späteren Lauf durchfließt die Etsch dann auch noch Verona und Rovigo, bevor sie südlich des Golfs von Venedig schließlich in die Adria mündet. Das eigentliche Etschtal, jedenfalls im engeren Sinn, liegt jedoch zwischen Meran und Rovereto.

Doch auch ein Stück südlich von Rovereto wird die Etsch von beiden Seiten gesäumt von ziemlich hohen Bergen – bei Avio nämlich von der Ostwand des oben erwähnten Monte Baldo. Etwas nördlich von Avio wiederum, ein Stückchen oberhalb des kleinen Orts Sabbionara, thront auf einer Anhöhe eine der wohl sehenswertesten Burgen des ganzen Landes – das Castello di Avio (auch Castello di Sabbionara d‘Avio genannt). Schon von unten kann man erahnen, warum die Burg an eben der Stelle errichtet worden ist: Sie ist weithin sichtbar, was im Umkehrschluss eben auch heißt, dass man von dort weit in die Ferne sieht. Das bedeutete im 12. Jahrhundert, als die Burg gebaut worden ist, und auch zu späteren Zeiten den besten Schutz gegen Feinde. Das Castello gilt als eine der wichtigsten Festungen in der Provinz Trentino, da es direkt an einer der Hauptrouten lag, die die Alpensüdseite mit der Alpennordseite verband und heute immer noch verbindet – wer der Etsch nach Norden folgt und auch hinter Bozen weiter auf der SS12 bleibt, kommt direkt zum Brenner.

Im Schlossgarten wachsen Wein und Oliven, das Panorama über das Etschtal ist fantastisch und auch das Innere des Castello di Sabbionara d’Avio weiß zu überzeugen. Toll sind etwa die Fresken aus dem 14. Jahrhundert, das so genannte „Liebeszimmer“ (Stanza dell‘amore) und die imposante Eingangshalle. Gleich über fünf Türme verfügt die Burg, zu denen auch der „Picadora“ gehört, an denen früher die zum Tode Verurteilten aufgehängt worden sind. Der Innenhof ist umgeben von einer sehenswerten, mit Zinnen besetzten Schlossmauer – insgesamt ein wirklich perfektes Ausflugsziel!