Vom Felsbrocken zum Weltwunder

Die Isola Bella, ihr Palast und ihre einzigartigen Gärten

Der Name bedeutet auf Deutsch „schöne Insel“, und diese Bezeichnung für die mit knapp sechs Hektar Fläche zweitgrößte der Borromäischen Inseln ist keinesfalls übertrieben. Schon im 18. Jahrhundert stand die Isola Bella nämlich im Ruf, eines der Weltwunder zu sein – dabei war das Eiland bis 1632 lediglich ein felsiger Brocken im Lago Maggiore. Carlo III. aus dem Geschlecht der Familie Borromeo, die den Borromäischen Inseln ihren Namen gab, machte sich dann jedoch daran, den Boden der Insel zu ebnen; als er das geschafft hatte, erbaute er für seine Frau Isabella D’Adda einen Palast auf der Isola Bella. Allerdings zogen sich die Arbeiten bis 1671 hin, da zwischenzeitlich die Pest in Norditalien wütete und keine Arbeitskräfte zur Verfügung standen. Zwar überlebten Carlo und seine Gemahlin die Pest, doch die Fertigstellung des Palasts hingegen nicht mehr. Eineinhalb Jahrhunderte später übernachtete Napoleon Bonaparte mit seiner Frau Joséphine auf der Insel, und letzterer soll die Isola Bella so gefallen haben, dass sie die immer noch hier hausende Familie Borromeo angefleht hat, ihr die Insel zu verkaufen – woraus bekanntlich nichts wurde. Berühmt waren unter anderem die rauschenden Feste und die Theateraufführungen, die im Palazzo Borromeo für die Besucher veranstaltet wurden – Besucher, die fast ausschließlich zum Adel aus Europa gehörten.

Es ist also eine bewegte Geschichte, auf die die Isola Bella zurückblickt, doch auch die Gegenwart hier ist äußerst lebendig. Das Eiland ist nämlich einer der absoluten Attraktionen für die Besucher des Lago Maggiore, was nicht zuletzt an seiner einzigartigen Lage und dem großartigen Panorama liegt. Schon die Anreise mit dem Schiff ist fantastisch: Der Palazzo Borromeo ist so auf die Insel gebaut worden, dass diese aus der Ferne betrachtet wie ein gigantisches Schiff wirkt, dessen Heck die kaskadenartigen Terrassen am gegenüberliegenden Inselende bildet. Die Terrassen sind ein Teil des Gartens, der sich in einen viktorianisch-englischen Part aus dem 19. Jahrhundert und einen frühbarocken italienischen Part gliedert, welcher leicht oberhalb des englischen Gartens liegt. Die Flora hier besteht beispielsweise aus Zypressen, Rosen, Eiben, Zitrusbäume, Lilien, Oleander und Malven.

Weiter oberhalb auf einem kleinen Plateau schmücken Statuen von Flussgöttern, Nymphen und Meeresgöttern die Gärten, doch die größte unter diesen Monumenten ist ein gewaltiges steinernes Einhorn, das Wahrzeichen der Familie Borromeo. 37 Meter über dem Meeresspiegel ist es weithin über den Lago Maggiore zu sehen. Im ganzen Garten posieren frei lebende Pfauen, die sich auch dann nicht stören lassen, wenn im Sommer viele Touristen auf einen Schlag auf die Insel kommen.

Der Palast selbst strotzt nur so vor frühbarocker Kunst aus der Lombardei, vor Gobelin und Gemälden. Beeindruckend ist auch der Ballsaal, der sich über zwei Etagen hinweg erstreckt. In den tiefer gelegenen Räumen befinden sich sechs Gewölbe, die grottenartig angelegt und mit Meeresgetier, hauptsächlich mit Muscheln, geschmückt sind, ganz nach dem im Barock vorherrschenden Geschmack. Im zum Palast gehörenden Museum können die Stücke in Ruhe besehen werden. Am westlichen Ufer der Isola Bella, die auch noch die Namen Isola Inferiore (kleinere Insel) bzw. Isola di Sotto (untere Insel) trägt, wurden im Nachhinein einige Häuser erbaut, die heute Restaurants und kleine Läden mit Souvenirartikeln beherbergen. Zu erreichen ist die Isola Bella, die nur etwa 400 Meter vor der Küste liegt, entweder vom Hafen von Carciano, nordwestlich von Stresa gelegen, oder von Stresa selbst.