Sprachreisen für Erwachsene

Sprachreisen lassen sich ganz grundsätzlich in zwei grobe Kategorien unterteilen: in Reisen für Kinder bzw. Jugendliche und in Reisen für Erwachsene. Während die Jüngeren zumeist – in den Ferien – von den Eltern zu einer Sprachförderung (bzw. in den Sprachurlaub oder die Sprachferien) ins Ausland geschickt werden, um die Noten in den entsprechenden sprachlichen Schulfächern zu verbessern, gibt es für Erwachsene unterschiedliche Motivationen, eine Sprachreise auf sich zu nehmen. Für Sprachreisende jeden Alters gibt es inzwischen auch immer mehr die Möglichkeit, während des Aufenthalts bei einer Gastfamilie in dem entsprechenden Land unterzukommen. Das hat den positiven Nebeneffekt, dass die Landessprache auch nach „Feierabend“, also nach Beendung der Kurstags, weiter gesprochen werden muss. Der Lerneffekt ist dann natürlich ungleich höher. Für jüngere Sprachreisende ist dies kein Trend mehr, sondern Usus, während sich viele Erwachsene nach Beendung des Unterrichts doch nach Privatsphäre und Hotelzimmer sehnen.

Nach Angaben des „Fachverbands Deutscher Sprachreise-Veranstalter“ gehen pro Jahr 160.000 Menschen auf Sprachreisen, 70 Prozent davon Erwachsene. Englisch nimmt auch unter ihnen den Spitzenplatz ein, Großbritannien ist das mit Abstand beliebteste Land. Die Stiftung Warentest hat – im Jahr 2008 – eine Untersuchung durchgeführt, speziell was Sprachreisen für erwachsene Teilnehmer angeht. Dabei sind die Länder Großbritannien, Malta (das Platz zwei einnimmt auf der Liste der meistbesuchten Länder) und Spanien (Platz vier) getestet worden. Und die Stiftung kam damals zu eindeutigen Ergebnissen: Lieber etwas mehr Geld in die Hand nehmen und auf eine private Unterkunft verzichten. Denn allzu sehr muss der bzw. die Sprachreisende sich auf die Gastfamilie und deren Lebensrhythmus einstellen. Zudem bleiben den Sprachreisenden oft der Zugang zu Bad und Küche versperrt, weil Gastfamilien sich nicht an die europäische Sprachreisenorm DIN EN 14-804 halten, so Stiftung Warentest.

Darüber hinaus rät die Studie für Erwachsenen Sprachreisen dazu, sich höchst detailliert über die Art des Unterrichts der Anbieter zu informieren. Meist werde „klassischer Frontalunterricht“ abgehalten; Lehrer hielten sich stur an die Vorgaben und Bücher. Dass Englischunterricht in Malta oder Spanischlektionen in Katalonien, Galizien oder im Baskenland problematisch sind, findet dabei auch Erwähnung. Wer sich als Erwachsener für eine Sprachreise interessiert, ist dennoch meist gut beraten, über einen Veranstalter zu buchen, weil die gezahlten Kosten über das deutsche Reisevertragsgesetz gesichert sind. Das bedeutet, es besteht das Recht auf Reklamation. In einer neueren Studie (2010) kommen die meisten Sprachreisen „Wirtschaftsenglisch“ ebenfalls nicht gut weg; die Qualität des Unterrichts und der Bezug zum Beruf ließen fast immer zu wünschen übrig.