Von Reiseblogs, Südamerika vs. Asien und der Suche nach der Magie des Reisens

Strand in Panama

Strand in Panama

Jedes Mal, wenn ich mich entscheiden muss, ob ich nach Südamerika fahre oder doch mal nach Asien, gewinnt Südamerika. Ich frage mich: warum nur? Lasst mich etwas weiter ausholen, die Antwort ist nicht einfach, und ich habe rein gar nichts gegen Reisen nach Asien. Tief in mir scheint aber Südamerika vorprogrammiert, und meine Wahl wahrscheinlich vorgegeben und keine zu sein. Denn Reiseziele sind eben Entscheidungen des Herzens, weniger des Verstandes. Wie auch immer: In jüngster Zeit scheint es sehr in Mode zu kommen, einen Reiseblog zu betreiben. Viele Menschen schwirren durch die Weltgeschichte und versuchen, ihren Leserinnen und Lesern das Leben und das Reisen zu erklären. Was, wie ich finde, in den seltensten Fällen gelingt. Es ist einfach nicht damit getan, seine private Bucketliste abzuarbeiten und zu erzählen, wieso es dort und dort so toll, toller am tollsten ist. Ich bin davon auch nicht frei. Reisen ist allerdings mehr als ein Bereisen, ein Abhaken von Zielen und Routen: Been there, done that. Das ist nicht inspirierend. Und es spiegelt auch nicht im Entferntesten das Privileg wieder, dass man reisen darf und kann. Und Reisen ist eben mehr als konsumieren. Es hat Werte. Reisen ist kein Selbstzweck. Reisen und darüber schreiben, so dass es inspirierend ist für andere Menschen, ist wirklich schwierig, und nur weil man als Reiseblogger seine Texte und Fotos veröffentlicht, bedeutet es nicht, dass man auch schreiben, fotografieren und reflektieren kann. Es gibt mehr als eindimensionale Reisebeschreibungen zu verfassen: mehr Magie, mehr Zauber des Reisens, mehr die Fremde und das exotische umarmen und begrüßen, sich öffnen für das Neue, und entdecken zu wollen.

Gründe für das Bloggen

Letztlich sind das die Gründe, weshalb ich als Reiseblogger, aber auch schon lange davor, als simpler Reisender, immer auf der Suche nach der Magie eines Ortes, der Atmosphäre eines Landes gewesen bin, nie nach mir selbst. Das ist einer der ersten Lektionen, die man als Reisender vom Leben beigebracht bekommt. Man kann ans Ende der Welt reisen, aber man kann nicht vor sich selbst weglaufen. Und der Weg ist das Ziel, ist auch Nonsens. Beim Reisen geht es immer um das Ankommen. Physisch, aber auch mental. Aber ich schweife ab. Eigentlich geht es in diesem Text darum, warum ich, wenn ich vor der Wahl stand, mich immer für Südamerika, und gegen Asien entschieden habe. Vielleicht ging es um die Inspiration. Denn diese habe ich nie erwartet, in Asien zu finden.

Eine Landschaft wie Patagonien ist in ihrer Großartigkeit nirgendwo anders zu finden

Perito-Moreno-Gletscher in Argentinie

Perito-Moreno-Gletscher in Argentinien

Sondern in Südamerika. Es ist die Mischung aus Landschaft, Naturerlebnis, der Mischung aus europäischer und präkolumbianischer Geschichte, sowie der Charme der Bewohner, welcher Reisen nach Südamerika so besonders machen. Beispiel gefällig? Patagonien, in Argentinien und Chile. Eine Landschaft wie Patagonien ist in ihrer Großartigkeit nirgendwo anders zu finden, und auch hier ist es wieder die Mischung, die diese Gegend weltweit einmalig macht: Schneeumtoste Berge wie das Fitzroy Massiv oder die Torres del Paine, Kondore und Flamingos, einer der größten Gletscher des Planeten wie der Perito Moreno , umgeben von einer menschenleeren Steppenlandschaft. Für Fotografen gibt es kaum eine dankbarere Gegend als Patagonien. Und erst die Küste dieses unglaublichen Landstriches! Pinguinkolonien mit hunderttausenden von Tieren, wie es sie sonst noch nur noch in der Antarktis gibt, See-Elefanten und Orcas, an einem vom Atlantik umtosten tausende von Kilometern langen Strand, das ist schon beim Schreiben kaum zu glauben, aber in Wirklichkeit noch viel großartiger. Die wenigsten dieser Ziele sind vom Massentourismus entdeckt, sie sind zu abgelegen, und es gibt keine Badstrände dort. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum Backpacker hier kaum hingelangen. Wer also eher ausgetretene touristische Pfade betreten möchte, meidet den Trubel in Südostasien, und reist nach Südamerika.

Der Machu Picchu in Peru ist eines der bekanntesten Sehnsuchtsziele dieses Planeten

Machu Picchu in Peru

Machu Picchu in Peru

Sogar eines der bekanntesten Sehnsuchtsziele dieses Planeten, Machu Picchu in Peru, lässt sich individuell und, wenn man es richtig macht, fernab den pauschalen Massen und Reisegruppen, bereisen. Anders als der Besuch des asiatischen Pendants, also den Tempeln von Angkor Wat oder vielleicht Borodpodur in Indonesien, kann man in Machu Picchu das Gelände sogar ohne Besucher fotografieren. Man muss nur morgens sehr zeitig dort sein, und wissen, wo der beste Fotospot ist. Oder abends, wenn die Tagestouristen wieder abgereist sind. Peru ist auch ein gutes Beispiel, um die Magie des südamerikanischen Kontinents begreifbar zu machen. In diesem Land findet sich eine einmalige Mischung aus Landschaften: Dem Amazonas Dschungel auf der Ostseite der Anden, die Anden sowie das Hochland der Anden um den Titicaca-See herum. Die Wüste im Süden und Südwesten des Landes, in welcher die einmaligen Landschaftszeichnungen von Nazca zu bewundern sind. Sowie die Küstenlandschaft am Pazifik in Richtung Ecuador, wo man in diversen Strandbädern surfen und baden kann wie an der Costa Brava. Das alles in einem Land, mit Unmengen an historischen Orten, Ruinen, Stätten der Inka, den Nationen vor den Inka, und natürlich den spanischen Eroberern.

Mischung aus vergangener Grandezza und aktueller Freundlichkeit

Südamerika hat einen alten europäischen Charme, welcher zum Teil der spanischen Sprache und dem Erbe der Konquistadoren zu verdanken ist, denn sogar Städte wie Cusco oder Lima sehen immer ein wenig wie Salamanca oder Madrid aus. Für moderne Reisende sorgt diese Atmosphäre eines verlorenen, antiken Europa in Verbindung mit der altmodischen Höflichkeit der heutigen Bewohner, für eine Mischung aus vergangener Grandezza und aktueller Freundlichkeit. In Südamerika wird man eher selten angequatscht und eigentlich kaum belästigt, in Mexiko mehr als in Peru, und wenn, dann immer mit einer altmodischen, respektvollen Höflichkeit, welche ein „Nein“ auch noch akzeptiert. Meistens jedenfalls, aber diese mit dem Massentourismus einher gehenden Unannehmlichkeiten sind wahrscheinlich auch in Südamerika bald mehr und mehr zu finden.

Und letztlich hat Südamerika mit dem letzten verbliebenen Regenwald und dem größten Fluss des Planeten eine einzigartige Landschaft zu bieten, die man bereisen muss, solange es sie noch gibt. Das Amazonas Tiefland mit den Nebenflüssen des Amazonas wird mein nächstes Reiseziel werden, und ich werde den Fluss mit öffentlichen Verkehrsmitteln bereisen. Wird also wieder nichts mit Asien…

Was das Reisen und das Schreiben bzw. das Bloggen angeht: Auch dort werde ich versuchen, mehr Magie zu finden, und wieder zu geben, als jetzt. Und das werde ich eher schaffen mit Reisen nach Südamerika, denn ich brauche die persönliche Faszination für einen Ort, das Land und seine Geschichte. Kann ich diese Magie entdecken inmitten von Backpackern in Angkor Wat? Letztlich gibt es nur einen Weg, dies heraus zu finden…