Mehr als 20.000 Pflanzenarten – in nur einem Garten

Die Giardini Botanici di Villa Taranto in Verbania sind eine wahre Augenweide

Wer von Laveno-Mombello mit der Fähre über den Lago Maggiore nach Intra kommt, sieht halblinks vor sich, zwischen dem Fährhafen von Intra und dem in den Lago Maggiore hineinreichenden Kap von Verbania und San Giovanni, einen weitläufigen grünen Streifen liegen. Und tatsächlich: Nur wenige Schritte die Via Vittorio Veneto hinunter in Richtung Castagnola und Verbania liegen die wunderschönen Gärten, die Giardini Botanici di Villa Taranto. Dabei handelt es sich um einen etwa 20 Hektar großen Park, und jeder, der am Lago Maggiore Urlaub macht und sich diese Grünanlage nicht ansieht, verpasst eine ganze Menge.

Der großzügig angelegte, weitläufige Garten ist im englischen Stil angelegt und beherbergt Pflanzen, die in Europa nur selten anzutreffen sind – zumeist besteht die Flora aus Gewächsen aus dem asiatischen Raum. Teils in englischem, teils in italienischem Stil gehalten, warten die Giardini Botanici di Villa Taranto mit reichhaltiger Pracht und Abwechslung auf.

Die eigentliche Villa, nach der der Park benannt wurde und die früher quasi deren Garten darstellte, wurde im Jahr 1875 im Stil Napoleon III. erbaut, von 1931 bis 1940 dann legte der wohlhabende schottische Bürger Captain Neil Boyd McEacharn einen Park um die Villa herum an, die er zuvor erworben hatte. Da die Lage des Grundstücks perfekt war, wollte McEacharn den botanischen Garten ästhetisch gestalten, was ihm ziemlich gut gelungen ist. Noch vor der Vollendung des Gartens stiftete der Schotte die Giardini Botanici di Villa Taranto 1938 dem italienischen Staat – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass sich Italien weiterhin um den Garten kümmern und ihn pflegen würde.

Mehr als 20.000 unterschiedliche Pflanzenarten gedeihen hier, es sollen allein über 350 Dahlien- und sogar mehr als 500 Rhododendrongattungen darunter sein. Im eigens angelegten Dahlienlabyrinth gibt es eine in dieser Form wohl einmalige Explosion von Farben der Prachtblumen zu bestaunen. Vom ausgehenden Winter bis in den späten Herbst eines jeden Jahres blüht es im Garten; es existieren dort etwa Tulpen, Magnolien, Lotusblumen, Kamelien, Azaleen und unzählige weitere Blumen. Im Frühjahr verleiht das zarte Grün des Rasens und des Laubes den Gärten einen frischen Teint, im Sommer stehen die Pflanzen in üppiger Pracht, und auch im Herbst, wenn sich langsam das Laub verfärbt, sind die Giardini Botanici mehr als sehenswert.

Dazu gesellen sich Unmengen von tropischen Gewächsen, die in Europa ansonsten nicht heimisch sind. Aufgelockert wird die Anlage durch Wasserbecken mit Seerosen, die in allen Farben schimmern, durch kaskadenartige Wasserläufe sowie durch eine Vielzahl von Springbrunnen. Für Liebhaber exotischer Pflanzen ist das Gewächshaus der „Victoria cruziana“, der Victoria-Seerose, wie gemacht. Es handelt sich dabei um eine Art der Wasserlilien, die ansonsten nur im Amazonasbecken vorkommt. Sie benötigt konstant 30 Grad warmes Wasser und entwickelt, riesige, bis zu zwei Meter große Blätter in Form einer Pfanne.

Captain McEacharn starb am 18. April 1964 auf der Veranda seiner Villa Taranto. Seinem letzten Wunsch gemäß wurde er in dem für ihn errichteten Mausoleum im Herzen jenes Parks, den er liebe- und mühevoll anlegte und den er über alles liebte, inmitten seiner Gärten begraben. Bereits neun Monate vor seinem Tod hatte ihm die Gemeinde Verbania für seine Verdienste die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen.

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